Ihr persönliches Zuggewicht – wann und wie sollten Sie es anpassen?

Das richtige Zuggewicht ist für jeden Bogenschützen eine ganz wichtige Komponente für den Erfolg und für den dauerhaften Spaß am Bogenschießen. Wann Sie es anpassen sollten – egal ob nach oben oder nach unten – erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag.

Anzeichen für ein zu hohes Zuggewicht

Bei den folgenden Anzeichen sollten Sie als Bogenschütze darüber nachdenken, das Zuggewicht Ihres Bogens zu verringern. Gerade wenn man älter wird, kommt dies schon mal vor (ich weiß, wovon ich hier rede):

  • Sie zittern während des Schießens, was Sie vor einer Zuggewichtserhöhung oder früher nicht getan haben.
  • Sie ermüden schnell bei längeren Haltevorgängen.
  • Sie können mit Ihrem Bogen den Schussablauf nicht mehr technisch korrekt durchführen.
  • Die Form der Ausführung des Schussablaufes verschlechtert sich während eines Turniers oder einem längeren Trainings.

WICHTIG: Die oben genannten Anzeichen gelten allerdings nicht, wenn Sie einen längeren Trainingsrückstand haben. Dann sollten sich diese Probleme auch ohne Reduzierung des Zuggewichts legen, wenn Sie Ihre früheres Trainigslevel wieder erreicht haben.

Unsaubere Schußtechnik mit einem zu hohem Zuggewicht – Foto: © Martina Berg (Bogensport Deutschland)

Anzeichen für ein zu niedriges Zuggewicht

Eine Erhöhung des Zuggewichts macht auf Dauer Sinn, wenn Sie die folgenden Anzeichen bei sich feststellen:

  • Sie können mit Ihrem Visier keinen Zielpunkt nahe dem Ziel finden. Sie müssen also weit über der Scheibe anhalten.
  • Die Pfeile treffen bei einer weiteren Entfernung die Scheibe nicht mehr obwohl Sie hoch gezielt haben (die Pfeile „verhungern“ unterwegs).
  • Die Pfeile treffen die Scheibe nur noch am unteren Rand, auch wenn Sie hoch gezielt haben.
  • Je weiter das Ziel entfernt ist, umso extremer gehen Ihre erzielten Ringzahlen nach unten.
  • Sie überziehen den Bogen oder verdrehen die Sehne und schießen nicht mehr sauber, weil Sie Ihr Bogen körperlich unterfordert.

Wie verändert man sinnvoll sein Zuggewicht?

Zunächst sollten Sie sich mit Ihrem Trainer hinsichtlich einer Zuggewichtsänderung besprechen. Er kann am besten beurteilen, um wieviel Pfund (lbs) Sie Ihr bisheriges Zuggewicht herab- oder heraufsetzen sollten. Ich habe als Trainerin sehr gute Erfahrungen mit Schritten von 2-4 lbs bei olympischen Recurvebögen, 4-6 lbs bei Compoundbögen und 5 lbs bei traditionellen, einteiligen Bögen gemacht. Dies sind aber nur Richtwerte, Ihr Trainer ist wie schon gesagt dafür der richtige Ansprechpartner.

Messung des Zuggewichts eines Recurvebogens – Foto: © Martina Berg (Bogensport Deutschland)

Diese unterschiedlichen Schritte liegen in den technischen Möglichkeiten der unterschiedlichen Bogenarten begründet. Wurfarme für olympische Recurvebögen gibt es in 2-lbs-Schritten, einteilige Bögen werden oft in 5-lbs-Abstufungen gebaut und bei Compoundbögen lässt sich das Zuggewicht oft in 1-2 lbs-Schritten verändern. Am preislich günstigsten gestaltet sich daher eine Zuggewichtsänderung bei Compoundbögen (sofern bei Ihrem Bogen die Einstellmöglichkeiten noch nicht ausgereizt sind) und bei Take-Down-Bögen, bei denen Sie einfach neue Wurfarme montieren. Bei einteiligen Bögen bleibt leider nur der Kauf eines stärkeren oder schwächeren Bogens. Oder Sie suchen sich einen Händler, der Bögen vermietet.

Mit dem neuen Zuggewicht sollten Sie dann einige Wochen trainieren. Dabei sollten Sie sich zusammen mit Ihrem Trainer genau und ehrlich beobachten. Fühlen Sie sich mit dem neuen Zuggewicht wohl? Ist Ihr Schussablauf flüssig und stabil? Dann ist alles okay, die Entscheidung für das neue Zuggewicht war richtig.

Oder hat sich Ihre Form nach der Anpassung verschlechtert? Dann war die Änderung zu groß und Sie sollten einen Schritt zurück machen.

Zuggewichtsangaben auf einem ILF-Wurfarm – Foto: © Martina Berg (Bogensport Deutschland)

Welche Auswirkung hat eine Zuggewichtsänderung auf Ihre übrige Bogensportausrüstung?

Jede Zuggewichtsänderung wirkt sich auch auf Ihr Bogen-Setup aus. Selbst wenn es nur 2 lbs sind – sie haben Konsequenzen.

Zunächst einmal werden Sie Ihre Visiereinstellungen neu ausschiessen müssen. Als Nicht-Visierschütze müssen Sie Ihren Zielvorgang (Ihr „inneres Visier“) durch entsprechendes Training neu justieren.

Oft sind auch neue Pfeile fällig, weil der Spinewert Ihrer bisherigen Pfeile nicht mehr zu ihrem neuen Zuggewicht passt. Bei einer nur moderaten Zuggewichtsänderung ist eventuell eine Pfeilkürzung ausreichend (sofern Ihr Pfeil noch Längenreserven hat).

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Text & Fotos: © Martina Berg (Bogensport Deutschland)

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