So entschlüsselt man den Zahlencode eines Pfeilschafts

Mit dem Spine-Wert haben die Pfeilhersteller eine Grundlage für die Vergleichbarkeit von Pfeilschäften geschaffen. Doch sind vielen Pfeilschäften weit mehr Informationen zu entnehmen, die für den Schützen von Bedeutung sind. Wofür stehen beispielsweise bei einem EASTON A/C/E-Schaft die Hinweise C3, 1206 oder H-Series/470?

In diesem Artikel wird der Code der Pfeile entschlüsselt. Sie erfahren Hintergründe zum Spine-Wert der Pfeilschäfte und wichtige Hinweise zur Zusammenstellung von Pfeilsätzen und zum Pfeiltuning.

Das Material der Pfeile

Neben Fiberglaspfeilen für Hobbyschützen und Holzpfeilen für traditionelle Bogenschützen sind Aluminium-, Karbon- und Aluminium-Karbonschäfte auf dem Markt. Während Holzschäfte und Aluminiumschäfte zylindrisch geformt sind, gibt es gebarrelte Hochleistungspfeile aus Aluminium-Karbon (z.B. EASTON A/C/E und X10). Gebarrelte Pfeilschäfte haben in der Mitte einen größeren Durchmesser als im Bereich der Spitze und der Nocke (Tonnenform). Durch dieses Konstruktionsmerkmal gelingt es, extrem dünne Pfeilschäfte mit verbesserten aerodynamischen Eigenschaften für den Outdoorbereich herzustellen.

Durch die Kombination von Aluminium und Karbon in einem Schaft ergibt sich eine hohe Steifigkeit, bei geringem Pfeildurchmesser und leichtem Gewicht. Diese Merkmale sind für die Witterungseinflüsse im Outdoorbereich bedeutend. Denn ein leichter, dünner und schneller Schaft erreicht schneller das Ziel auf langen Distanzen und Witterungseinflüsse nehmen einen geringeren Einfluss auf den Pfeilflug.

Aluminiumschäfte werden auch von Hochleistungsschützen im Indoorbereich eingesetzt, wo Witterungseinflüsse keine Rolle spielen.

Der Spine-Wert

Der Spine-Wert ermöglicht die Vergleichbarkeit verschiedener Pfeilschäfte aus unterschiedlichen Materialien. Sein Wert ermöglicht eine Aussage zum Biegeverhalten der Pfeilschäfte und spielt damit eine wichtige Rolle im Pfeiltuning. Der Schaft muss ein bestimmtes Biegeverhalten aufweisen, damit der Pfeil den Bogen sauber verlässt. Ein sauberer „Pfeilflug wie auf Schienen“ ist nur mit einem Schaft möglich, der zum Bogen des Schützen passt. Testverfahren im Pfeiltuning ermöglichen die Selektion des richtigen Pfeiltyps.

Der statische Spine-Wert

Die Pfeilhersteller haben das Verfahren zur Ermittlung der Steifigkeitswerte standarisiert. Zur Ermittlung des Spine-Wertes wird ein Spine-Tester eingesetzt. Bei diesem Spine-Tester wird ein Schaft mit einer Länge von 29 Zoll auf zwei Auflagepunkte gelegt, die einen Abstand von 28 Zoll aufweisen (bei traditionellen Holzpfeilen beträgt die Stützweite 26 Zoll). Ein Gewicht von 880 Gramm zieht den Schaft nach unten. Weiche Pfeilschäfte biegen sich gegenüber steifen Schäften stärker durch. Die Durchbiegung der Schäfte wird in 1/1000 Zoll gemessen.

Der dynamische Spine-Wert

Der dynamische Spine-Wert betrifft das Biegeverhalten des Pfeilschaftes nach dem Lösen, wenn die gespeicherte Energie des Bogens auf den Pfeil übertragen wird. Einfluss auf den dynamischen Spinewert nehmen das Schaftmaterial, die Schaftkonstruktion, der Schaftdurchmesser und die Wandstärke, aber auch das Schaftgewicht, das Spitzengewicht, das Gewicht der Nocken und die Befiederung.

Darüber hinaus kann das Biegeverhalten im Pfeiltuning beispielsweise durch die Sehnenstärke sowie das Sehnenmaterial, durch unterschiedliches Material der Wurfarme und durch die Zuggewichtsverstellung am Bogen beeinflusst werden.

Aluminiumschäfte

Die Informationen, die auf Aluminiumpfeilen aufgebracht sind, können relativ simpel entschlüsselt werden. Vergleiche hierzu die Abbildung 1 – X7.

  • a) X7 – Schaftmodell der Firma EASTON
  • b) 2212 – Spine-Wert; die ersten beiden Ziffern (hier 22) stehen für den Außendurchmesser des Schaftes in 1/64 Zoll; das zweite Ziffernpaar (hier 12) steht für die Wandstärke in 1/1000 Zoll.
Abbildung 1 – X7

A/C/C- und Hyperspeed-Schäfte

Beschrieben wird nun die Ziffernfolge von links nach rechts anhand der nachfolgenden Abbildung 2 – ACC:

  • Erste Zahl (hier 3) – Anzahl der Karbonfaserwindungen (Graphit) über dem Aluminiumschaft.
  • Zahlenpaar (hier 18) – die letzten beiden Stellen des Durchmessers des Alukernschaftes in 1/1000 Zoll.
  • Letzte Zahlengruppe (hier 560) – Durchbiegung in 1/1000 Zoll bei 28 Zoll Spanne (vgl. Spine-Tester).
Abbildung 2 – ACC

A/C/E-Schäfte

Nun wird es für viele Turnierschützen interessant, die den A/C/E-Schaft von EASTON schießen. Vergleiche hierfür die nachfolgende Abbildung 3 – ACE:

  • a) A/C/E – Schaftbezeichnung (Aluminium/Carbon/Extreme)
  • b) Buchstabe.Zahl (hier C.3) – EASTON wiegt jeden Schaft nach der Herstellung und nimmt dann eine Gruppierung nach Gewichtsklassen vor. Schäfte mit der Gewichtsklasse C.3 werden als Duzend gruppiert, ebenso Schäfte mit der Gewichtsgruppierung C.4, etc. Durch diese Gruppierung nach Gewichten kann EASTON minimale Gewichtstoleranzen für die Schäfte aus einem Duzend garantieren. Als Verbraucher solltest Du also beim Kauf von zwei Duzend A/C/E-Schäften auf diese Gewichtsangabe unbedingt achten.
  • c) 1206 – Erstes Ziffernpaar – Durchmesser des Aluschaftes in 1/64 Zoll (hier also 12/64 Zoll)
  • c) 1206 – Zweites Ziffer paar – Wandstärke des Aluschaftes in 1/1000 Zoll (hier also 0,006 Zoll)
  • c) Buchstabe (hier H) – Buchstabenserie des Schaftes, begann bei der ersten Schaftserie mit A und liegt 2011 bei H.
  • c) Dreistellige Zahl (hier 470) – Durchbiegung in 1/1000 Zoll bei 28 Zoll Spanne (vgl. Spine-Tester).
Abbildung 3 – ACE

X10-Schäfte

Gleiche Informationen findest Du auch auf den X10 Schäften in einer anderen Reihenfolge. Die angeführte 906 beschreibt den Durchmesser des Aluschaftes (hier 9/64 Zoll) sowie die Wandstärke des Aluschaftes in 1/1000 Zoll.

Abbildung 4 – X10-Schaft

Gewichtstoleranzen der Pfeile

Bereits bei der Herstellung der Pfeile entstehen also Gewichtstoleranzen. EASTON verspricht beispielsweise für das gekaufte Duzend A/C/E-Schäfte,

  • Gewichtstoleranzen von nicht mehr als +/- 3 Grains,
  • Gradlinigkeit der Schäfte nicht mehr als +/- 2/1000 Zoll,
  • Spine-Wert-Tolleranzen von nicht mehr als 5/1000 Zoll.

Wichtig nochmal: EASTON bezieht diese Garantie immer nur auf das Dutzend in einem Paket!

Für die Praxis des Bogensportlers sind weitere Gewichtstoleranzen von Bedeutung, die beim Zuschneiden der Pfeile, beim Verkleben von Spitzen, Federn und ggf. Nocken entstehen können. Die Bedeutung dieser unterschiedlichen Pfeilgewichte darf nicht unterschätzt werden. Insbesondere bei weiten Distanzen können deutliche Höhenunterschiede in der Trefferlage der Pfeile die Folge sein.

Jeder Pfeil sollte daher nummeriert werden und innerhalb einer Pfeiltrefferanalyse untersucht werden. Auch ist zu empfehlen, die fertiggestellten Pfeile mit einer Feinwaage zu prüfen und Pfeile mit gleichen Gewichten zusammenzustellen. Grain-Waagen kannst Du im Bogensporthandel erwerben.

Text: © Bert Mehlhaff
Fotos: © Martina Berg

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