Wenn der Regengott die Schleusen öffnet – Bogenschießen bei Regen

Da wir uns das Wetter nicht aussuchen können wenn wir an der Schließlinie stehen, müssen wir im Vorfeld einige Dinge beachten und mit den Bedingungen im wahrsten Sinne des Wortes fertig werden. Nachfolgend einige Fakten, die man mit berücksichtigen sollte.

Der eigene Körper

Oft führt der Regen dazu, dass sich unser Körper schon nach kurzer Zeit abkühlt und sich die Muskulatur dadurch angespannt oder verkrampft anfühlt. Ein sauberes Schießen inklusive einem entspannten Lösen ist in diesem Zustand dann nicht mehr möglich.

Bei solch einer Jacke sollte man den Ärmel des Bogenarms mit Maler-Kreppband fixieren. Und auch die Kapuzenbänder sollten entweder entfernt oder wenigstens versteckt werden!

Sorgen sie deshalb für warme und regenfeste Bekleidung die den ganzen Körper schützt. Hierzu gehört auch ein rutschfestes und wasserdichtes Schuhwerk. Achten sie unbedingt darauf, dass die Oberbekleidung eng am Körper anliegt und die Sehne beim Abschuss die Regenbekleidung nicht berührt. Um dieses zu gewährleisten empfiehlt sich der Einsatz von Maler-Kreppband.

Ziehen sie die Bekleidung auf die Rückseite des Bogenarms und fixieren sie das Ganze durch Umwickeln mit dem Maler-Kreppband. Anschließend wird dann der Armschutz angelegt. Achten sie darauf, dass die allgemeine Bewegungsfreiheit die sie kennen und gewohnt sind, erhalten bleibt. Alternativ hierzu sind auch sogenannte Armschoner (Slip On) recht hilfreich.

Die Ausrüstung

Wird der Bogen durch Regen und/oder Feuchtigkeit nass, kühlt das Material aus und die Wurfleistung des Bogens nimmt mehr oder weniger deutlich ab. Dieses wird dazu führen, dass das Visier nach unten hin korrigiert werden muss. Ebenso werden die Pfeile bei Regen schwerer was letztendlich dazu führt, dass sie schon eher vor dem eigentlichen Ziel runterkommen (Tiefschüsse). Einige Sehnengarne brauchen laut Hersteller nicht mehr mit Wachs behandelt zu werden.

Doch macht es oftmals Sinn, die Sehne durch das Auftragen von Sehnenwachs gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen. Die Leistung der Sehne bleibt somit erhalten. Wie man eine Sehne richtig wachst, können Sie hier nachlesen.

Bevor mit dem Schießen begonnen wird, sollte die Sehne, der Tab, die Pfeile, das Release, das Peep-Sight und der Bogen von überflüssigem Wasser befreit werden. Verwenden Sie hierzu ein Küchentuch, das besonders gut die Feuchtigkeit aufsaugt.

Den Regen „verstehen“ und mentale Stärke

Ist der Bogenschütze hinsichtlich seiner Ausrüstung und Bekleidung gut ausgerüstet und vorbereitet kommt als zusätzlicher Aspekt die mentale Stärke hinzu. Zunächst muss man versuchen, den Regen zu „verstehen“.

Aus welcher Richtung kommt er? Wie stark ist der Regen? Welche Temperaturen sind im Umfeld des Schießens gegeben? Ein warmer Sommerregen oder ein eiskalter Wind inklusive Regen?

Umso intensiver und genauer sich der Bogenschütze mit dieser Thematik im Vorfeld des Schießens beschäftigt und auseinander setzt, umso schneller kann er die nötigen Korrekturen (Visiereinstellung etc.) vornehmen. Auch wenn das Wetter (Kälte, Regen, Wind, hohe Temperaturen) zu einem Gegner wird, so muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass alle Teilnehmer an einem Turnier die gleichen Bedingungen haben und damit umgehen müssen. Lassen sie die äußeren Umstände (Kälte, Regen, Wind, hohe Temperaturen) nicht in ihren Kopf. Beschäftigen sie sich mit ihrem Schießen und sagen sich: „ich schieße einfach wie immer“. Auch wenn es in Strömen regnet, ist es doch noch immer Bogenschießen!

Viele Bogenschützen trainieren hauptsächlich nur bei gutem Wetter, aber das Training sollte auch in regelmäßigen Abständen das Schießen bei Regen beinhalten. Nur so kann man im Vorfeld eines Turnieres seine Erfahrungen mit den äußeren Witterungsbedingungen machen und kann sich dann besser und intensiver darauf vorbereiten. Dinge, die man sich im Vorfeld im Trockenen überlegt hat, müssen so bei Regen nicht unbedingt funktionieren. Testen sie ihr Setup im Regen, es wird sich auszahlen.

Geübte und realistische Bogenschützen wissen, dass bei schlechten Witterungsbedingungen (Regen, Wind, Kälte etc.) keine Rekorde geschossen werden!

Hier noch einige Tipps:

  • Federn und Fahnen vor Nässe/Regen schützen. Nehmen sie eine kleine Plastiktüte und stülpen diese über das Ende der Pfeile.
  • Naturfedern mit Imprägnierungsspray oder Entenbürzelfett behandeln.
  • Ledertuch: Ist stark feuchtigkeitsaufsaugend und eignet sich hervorragend zum Trocknen der Bogensportausrüstung. Spezielle Outdoor-Handtücher sind auch sehr praktisch.
  • Pfeilröhre und Armschoner verwenden.
  • Gamaschen schützen die Beine von unten her vor Nässe.

Text: © Bert Mehlhaff

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.deutscher-bogensportverlag.de.

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